Hyundai IONIQ Electric – Rekuperation und Verbrauchstest bei 150 km/h

Während bei einem Verbrenner einmal in Bewegungsenergie umgewandelter Treibstoff für immer verloren ist, können Elektroautos diese Bewegungsenergie zurück gewinnen. Im Fachjargon heißt das „Rekuperation“ und bedeutet nichts anderes, als dass der Motor statt Strom in Drehbewegung umzuwandeln das genaue Gegenteil tut und wie ein Generator die Bewegungsenergie des Autos wieder in Strom umwandelt und damit den Akku lädt.

Der IONIQ kann das besonders gut, denn er kann mit der gleichen Energie, mit der er beschleunigen kann (maximal 88 kW) auch verzögern. Das ist meines Wissens nach mehr, als jedes andere Auto und so viel, dass ich bei der Abfahrt vom Arber Richtung Bodenmais kein einziges Mal tatsächlich wirklich die Scheibenbremse benutzen musste, sondern die gesamte Energie (abzüglich der verhältnismäßig geringen Ladeverluste) wieder in den Akku geflossen ist.

Beim IONIQ lässt sich die Rekuperation entweder völlig stufenlos mit dem Bremspedal kontrollieren (der IONIQ rekuperiert selbstständig bis zum erreichen der maximal möglichen 88 kW und nimmt dann nötigenfalls die konventionellen Bremsen zur Unterstützung dazu) oder aber mit den Wippen am Lenkrad (bei Verbrennern werden diese üblicherweise für Gangwechsel genutzt) in 3 Stufen eingestellt werden, so dass der IONIQ automatisch rekuperiert, wenn man keinen Strom mehr gibt.

Wie viel das ausmacht, kann man im Video anhand des durchschnittlichen Verbrauches erkennen. Dort sieht man, dass der durchschnittliche Verbrauch bergauf auf abenteuerliche ~50 kWh/100 km steigt. Dabei sammelt der IONIQ eine immense potentielle Energie, die bei einem Verbrenner bergab mittels Bremse einfach in Wärme umgewandelt und damit „verloren“ wäre. Der IONIQ speist diese Energie wieder in die Batterie ein und kommt auf diese Weise am Ende auf einen durchschnittlichen Verbrauch von lediglich knapp 18 kWh/100 km, also dem Energieäquivalent von knapp zwei Litern Benzin.

In einer 4. Stufe kann man die Rekuperation auch komplett abschalten und dann „segeln“. Das bedeutet, das Auto rollt einfach mit der vorhandenen kinetischen Energie vor sich hin, ohne dass irgendwas bremst. Das ist so ähnlich wie beim Fahrrad fahren, wenn man einfach aufhört zu treten oder wenn man bei einem konventionellen Verbrenner den Gang rausnimmt und auf Neutral wechselt. Da der IONIQ eine sehr guten Luftwiderstandsbeiwert (cw-Wert) von lediglich 0,24 hat, und serienmäßig mit recht energiesparenden Reifen ausgestattet ist, rollt er auf diese Weise erstaunlich weit. Das ist vor allem dann sinnvoll, wenn es nur leicht bergab geht und man auf diese Weise die Geschwindigkeit halten kann oder wenn man beispielsweise vor einer demnächst auf grün wechselnden Ampel ausrollt.

Insgesamt war es beeindruckend zu sehen, wie viel von der erstmal aufgewendeten Energie wieder zurückgewonnen werden kann.

Auf dem Weg zurück habe ich auf der A3 zwischen Straubing und Regensburg dann die freie Strecke genutzt und bin mit Tempomat auf 150 km/ die gut 30 Kilometer gefahren. Dabei hat sich ein Durchschnittsverbrauch von 22,8 kWh/100 km ergeben. Das ist ein ziemlich guter Wert, wie ich finde und bedeutet eine theoretische Reichweite von über 120 km bei dieser nicht gerade geringen Geschwindigkeit und realen Bedingungen.

Da es im Goingelectric-Forum eine Diskussion darüber gab, ob denn der IONIQ bei der Gangstufe „N“ (neutral) beim bremsen auch rekuperieren würde, habe ich das auch gleich noch mit getestet und kann feststellen, dass das nicht der Fall ist. „N“ bedeutet also wirklich neutral. Das lässt sich ganz gut nutzen, um mal die Bremsscheiben, die ansonsten fast nie etwas zu tun bekommen, von Rost zu befreien.

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