Elektroauto, die vierte Runde: Hyundai Ioniq Elektro – Teil 2

Im gestrigen Artikel habe ich die Hinfahrt mit all‘ ihren Tücken und Probleme geschildert. Heute soll es um die Rückfahrt gehen und den Versuch, den Benchmark zu knacken. Dieser steht bei 8 Stunden für die 575 km lange Strecke. Diesen Wert gilt es heute zu unterbieten!

Am Samstagmorgen schnorchelt der Ioniq weiter an der Schukodose seine Elektronen und blinkt gemütlich mit der Ladeanzeige. Ich bin am Morgen mit recht leerem Akku angekommen und mangels Alternative müssen jetzt 9 A aus der Schukodose genügen. Das sind nur knapp über 2kW, die so über die Leitung schleichen und dementsprechend dauert eine Ladung dann auch mal locker über 12 Stunden, wenn der Akku wirklich fast platt ist.

Aber das ist mir egal, denn ich will erst am Abend den Weg gen Regensburg antreten und mich den Tag über ausruhen.

Um 19:44 ist es dann so weit. Der Countdown beginnt und der inzwischen vollgeladene Ioniq rollt über die Landstraße nach Süden.

Leider ist gleich der Start nicht der beste – es ist neblig. Und das nicht zu knapp. Also runter mit der Geschwindigkeit auf 90, dann 80 km/h, teilweise noch weniger. Ich will ja lebendig wieder zu Hause ankommen.

Das erste Ziel ist wieder Magdeburg, 121 km sind zu fahren. Die Strecke habe ich wie immer via goingelectric.de geplant.

Das Wetter wird lange nicht besser, so dass ich gleich am Anfang einiges an Zeit auf der Strecke lassen muss.

Der Stopp am VW Autohaus Rothenseer um 21:22 Uhr liegt etwas entgegen der eigentlichen Fahrtrichtung, ist aber die sicherste Option und daher meine erste Wahl. Die Ladesäule ist schnell gefunden.
Um 22 Uhr geht es dann endlich weiter – deutlich später als eigentlich geplant, denn ich habe ein wenig Zeit gebraucht, um die GoPro-Kamera zu richten, mit der ich die Fahrt filme. Leider ist es zu dunkel, so dass ich mir die Zeit wohl besser gespart hätte. Immerhin ist dafür der Akku jetzt bei 94 % – auch wenn ich das für die nun folgenden 79 km gar nicht brauche.

Fix zurück auf die A2 und kurze Zeit später nach Süden auf die A14. Der Tempomat steht auf 130 km/h, denn der Nebel hat sich glücklicherweise verzogen und die Straße ist frei – super! Es rollt und der nächste Stopp an der Raststätte Plötzetal West war schon öfter die Ladestation der Wahl – und ist wie auch bei der Hinfahrt ein kostenloser Stopp dank Tank&Rast. Um 22:49 erreiche ich den Zwischenstopp und mampfe meine Käsestulle während der Ioniq lädt.

Laden muss ich aber unerwartet viel, denn die Temperatur liegt wie bei der Hinfahrt nur zwischen 0 und 2 Grad – und die Heizung läuft, auf 22,5 Grad eingestellt, permanent und zieht mit sportlichen 2,4 kW recht kräftig am Elektronenvorrat. Der Durchschnittsverbrauch pendelt sich bei deutlich über 20 kWh/100 km ein und so werden die Ladestopps etwas länger als erhofft. Um 23:11 Uhr beginnt die nächste Etappe.

Nach weiteren 81 km und 42 Minuten später erreiche ich wieder eine bekannte Ladesäule: Osterfeld West. Auch hier gibt es keinen nennenswerten Besonderheiten – es läuft alles rund – bis auf den Stromverbrauch der Heizung, die weiter mit unerbitterlichen 2,4 kW deutlich über 10 % des Gesamtverbrauchs stellt. Mitternacht verstreicht, während ich an der Ladestation stehe. Um 0:23 geht es weiter. Noch 3:21 h bevor die Deadline erreicht wäre. Und vor mir liegen noch 287 km und 2 Ladestopps – das wird knapp!

Der letzte kostenlose Stopp soll der Rasthof Frankenwald West sein. Auf den nächsten 86 Kilometern wird es anständig bergauf gehen. Die Berge Oberfrankens liegen vor mir.

Zu allem Überfluss beginnt es kurz vor dem Ziel auch noch zu regnen und die Temperatur klebt an der 0 Grad-Marke. Da ist an 130 km/h nicht mehr zu denken und die Berge Oberfrankens werden nur noch mit 80 km/h und weniger durchquert.

Plötzlich zieht es sich. Gewaltig. Das kann ich jetzt so gar nicht gebrauchen …

Glücklicherweise ist der Spurhalteassistent weder vom Nebel noch vom Regen zu beeindrucken und tut stoisch seinen Dienst. Der adaptive Tempomat funktioniert bei 70 km/h genauso zuverlässig wie bei 130 km/h und macht die Fahrt so zumindest entspannend.

Die meiste Zeit sitze ich wie in einem schlechten Hollywood-Movie im Auto und wackle scheinbar sinnlos am Lenkrad. Aber nur scheinbar – denn es ist die einfachste Methode, um dem Sensor mitzuteilen, dass ich nicht schlafe, sondern sehr wohl aufpasse und nicht alle paar Sekunden durch ein piepsen dazu angehalten werden muss, das Lenkrad festzuhalten. Den Rest macht der Ioniq für mich. Zuverlässig.

Im Eisregen komme ich endlich am Rastplatz an – und muss im Niesel stehend feststellen, dass die Ladesäule nicht so will, wie ich.

„Nicht schon wieder!“ ist mein erster Gedanke, als ich zum 3. Mal den Ladevorgang zu starten versuche … Und plötzlich funktioniert es! Die Strömlinge finden endlich den Weg in meinen Akku und ich kann dem Eisregen entfliehen und mich in dem weiterhin mit 2,4 kW geheizten Auto verkriechen.

Aber ich habe erschreckend viel Zeit verloren. Es ist nun schon 1:14 Uhr und meine Deadline (die 8 Stunden sind um 3:44 Uhr erreicht) rückt zunehmend näher. Es sind noch immer 201 km und ich habe nur noch 2:30 h übrig. Und die Ladeanzeige steht erst bei 17 % …

Um 1:48 Uhr geht es bei 92% Akkustand los zum letzten Ladestopp. Thiersheim ist das Ziel und bis zur Ladesäule sollen es 68 km sein. Wenn es jetzt nicht regnen würde, wäre das fix erledigt. Aber es regnet weiter.

Um 2:38 Uhr stehe ich in Thiersheim und der Regen hat sich nun endlich einigermaßen gelegt. Es nieselt nur noch ganz leicht. Der Akku steht aber erst bei 49% und so muss ich mich langsam an den Gedanken gewöhnen, dass die restlichen 134 km in den verbleibenden 66 Minuten nicht zu schaffen sind, denn für die Strecke brauche ich einen möglichst vollen Akku, da ich bei den bisher im Schnitt verbrauchten gut 20 kWh/100 km kaum 140 km weit komme. Ich könnte zwar in Köblitz nochmal zwischenladen – aber das würde das 8 Stunden-Ziel in noch weitere Ferne rücken.

Mit Akkustand 91 % geht es um 2:59 Uhr dann auf die letzte Etappe nach Regensburg. Ich habe noch exakt 45 Minuten Zeit, bevor meine Deadline erreicht ist – unerreichbar!

Ich lasse es einigermaßen entspannt angehen, um auf der Strecke nicht noch einmal laden zu müssen und gebe mir alle Mühe, die Restreichweite immer 10 km über der noch zu fahrenden Strecke zu halten. Das verlangt nach einer ruhigen Fahrweise, denn die Heizung zieht weiter gnadenlos mit weit über 2 kW am Akku.

Die Strecke durch die Oberpfalz ist wenig spannend. Die Zeit verstreicht und auch mein eigentliches Ziel ist inzwischen vorüber.

Kurz vor Regensburg kommt dann die schon bekannte Warnung, dass der Akku jetzt bald leer ist – aber diesmal habe ich genügend Reserve übrig, so dass die letzten Kilometer kein Problem mehr sind.

Um 4:31 erreiche ich den Arnulfsplatz und parke den Ioniq vor der Ladesäule der REWAG – und habe damit meine Deadline um 47 Minuten verpasst. Im Akku sind nur noch 7 % übrig, schneller hätte ich also auf dem letzten Stück auch nicht mehr fahren können. Den Durchschnittsverbrauch gibt der Ioniq mit 19,7 kWh für die gefahrenen 575 km an. Das sind 1,1 kWh mehr, als auf der Hinfahrt und eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 65,5 km/h. Der Akku reicht damit rechnerisch für 142 km. Bei 94 % Akkuladung (mehr ist am CCS-Schnelllader nicht drin) sind es noch 133 km.

Am Ende bleibt festzuhalten, dass ich zwar das Ziel nicht erreicht habe, aber durch den Nebel, die niedrigen Temperaturen und den Regen auch denkbar schlechte Bedingungen vorgefunden habe. Dazu kommt noch, dass die Trendausstattung, mit der ich die Testfahrt durchgeführt habe, keine Wärmepumpe, keine Sitzheizung, kein beheizbares Lenkrad und keine LED-Scheinwerfer hat – und damit vermutlich mindestens 1-2 kWh / 100 km mehr verbraucht, als die von mir angestrebte Premiumausstattung.

Die 8 Stunden sollten damit also eigentlich erreichbar sein. Und das bringt mich zum Ende meines Tests und der Schlussfolgerung:

Der Hyundai Ioniq ist das aktuell mit Abstand beste Elektroauto im für mich bezahlbaren Kostenrahmen. Aber die Trendausstattung kann ich nicht empfehlen. Wer sich für den Ioniq entscheidet, sollte mindestens auf die „Style“ genannte mittlere Ausstattung setzen. Die gibt es laut Liste ab 35.500 €. Wer bei Hyundai Sangl freundlich fragt, bekommt bestimmt einen deutlich besseren Preis …

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