To hell and back

Oder: Warum Elektroautos noch einen weiten Weg vor sich haben.

Ich bin Ökofreund. So beobachte ich schon seit Jahren die Entwicklung bei den Elektroautos und habe schon vor einer ganzen Weile beschlossen, dass mein nächstes Auto eigentlich ein Elektroauto sein sollte. So surfe ich regelmäßig über die Webseiten diverser Autohersteller, um informiert zu bleiben, was es Neues gibt und was inzwischen so alles möglich ist.

Vor einigen Tagen bin ich über die Seite von Nissan gestolpert und habe festgestellt, dass der schon seit einigen Jahren verfügbare Nissan Leaf inzwischen mit einem 30kWh-Akku und angeblich bis zu 250km Reichweite verfügbar sein soll. Durch die anstehende Elektroautoförderung rutscht das nicht ganz billige 1,6t-Trumm langsam in die Region der bezahlbaren Fahrzeuge und so habe ich mich intensiver mit dem Auto beschäftigt. Begeistert war ich, als ich Nissan’s Angebot, den Leaf 48h kostenlos testen zu können, entdeckt habe. Das ist grandios, denn auf diese Weise könnte ich den Leaf tatsächlich praxisnah ausprobieren.

Also habe ich mit der Nissan-Hotline telefoniert und wurde innerhalb von Stunden an den lokalen Händler weitergeleitet, mit dem ich dann für das vergangene Wochenende eine Testfahrt vereinbart habe.

Um diese Testfahrt geht es hier.

Am Samstag sollte es um 9 Uhr losgehen, so hatten wir es am Telefon vereinbart.

Um 8:45 stand ich beim Nissanhändler auf der Matte und habe einen frisch gewaschenen Leaf auf den Hof fahren sehen.

„Das wird er wohl sein!“ war mein erster Gedanke.

Dass der Leaf recht groß ist, wusste ich. Direkt daneben stehend, wirkte er noch massiger.

Der Händler erklärte mir etwas missmutig, dass der vorherige Tester (offenbar wird das Angebot rege genutzt) das Auto zu spät und ziemlich verdreckt zurückgegeben hat und er daher eben erstmal in der Waschanlage war und das Auto jetzt noch laden müsse.

„Das geht ja gut los. Dann werde ich wohl erst einen ganze Ecke später starten können.“ schoss es mir durch den Kopf.

Mit Erleichterung habe dann allerdings feststellen dürfen, dass der Händler einen CHAdeMO-Anschluss auf seinem Grundstück hatte – der für den Leaf schnellste verfügbare Lader mit satten 50kWh Ausgangsleistung.

Der Testwagen war fast leer und hatte nur noch 12% Restkapazität in seinem Akku. Der Anschluss ging recht unkompliziert, nachdem mir der Händler wortreich erklärt hatte, wie die Ladesäule zu bedienen war und dass man als Elektroautobesitzer hier kostenlos laden dürfe. Allerdings ist die Ladesäule nur zu den Geschäftszeiten geöffnet, was das Angebot deutlich weniger interessant macht.

Kaum angeschlossen, summte die Säule merklich vor sich hin und im Display sprangen beeindruckend große Zahlen ins Blickfeld. Nach schlappen 19 Sekunden sprang die Anzeige auf 13% und eilte zügig weiter.

Ich war versöhnt.

Der Händler versorgte einen anderen interessierten Kunden mit einem Qashqai-Testwagen und wandte sich dann wieder mir zu, um mir die weiteren Details zu erklären und vor allem die Formalien zu klären. So erklärte er mir, dass er selbst auf 190km Reichweite mit dem Leaf kommt. Ähnliche Werte hatte ich auch in einschlägigen Foren gelesen. Im Hinterkopf hatte ich die Fahrt zu meinen Eltern als Benchmark definiert. Ich fahre die Strecke im Schnitt vielleicht 6x im Jahr und daher hatte ich für mich festgelegt: Wenn ich diese Strecke mit einem bezahlbaren Elektroauto in einer vernünftigen Zeit schaffen würde, wäre es Zeit an den Umstieg zu denken.

Ich bin ein eher ruhiger Fahrer und habe am Wochenende vorher genau diese Strecke mit meinem VW Up! zurückgelegt und dabei testweise statt der sonst üblichen 130km/h Höchstgeschwindigkeit mal mit nur 100km/h „geübt“. Das klappte recht gut und die netto 528km (mit dem Elektroauto sollte es durch die zum Laden nötigen Umwege etwas mehr werden) waren in etwa 8 Stunden abgespult. Zur Belohnung gab es für die Fahrt einen Benzinverbrauch von 4,5l/100km auf der Hinfahrt und 4,4l/100km auf der Rückfahrt. Das entspricht übrigens Benzinkosten von etwa 30€ pro Strecke.

Der Händler fuhr mit seinen Erklärungen fort und wollte mir die Vorzüge der lokalen Lademöglichkeiten nahebringen. Im Ausstellungsraum war eine „Wallbox“ zu bewundern, die man sich in seine Garage hängen kann, um deutlich schneller als an einer gewöhnlichen Schukodose laden zu können. Denn am normalen Anschluss dauert eine komplette Ladung satte 15 Stunden.

Da ich aber keine Garage habe und vor der Tür 2 Rewag-Stationen mit 11kWh stehen, war mir das ziemlich egal. Ich wies ihn nochmal auf das Telefonat mit seinem Kollegen hin, bei dem ich vor allem die Langstreckentauglichkeit prüfen wollte.

Es ging auf 10 Uhr zu und der Leaf war so gut wie voll. Bei etwas über 90% zog der Händler den Stecker, um mir das Auto vorzuführen und mich auf die Testfahrt vorzubereiten.

Bei der Einführung musste ich dann feststellen, dass das eingebaute Navigationssystem nur zum Teil nutzbar war, da für das Ladestationsnetz eine personalisierte Aktivierung bei Nissan nötig gewesen wäre. Ein Rückschlag!

Aber ich war vorbereitet und hatte mich am Abend vorher mit einer App („Chargemap“) und einer möglichen Testroute und passenden Ladestationen versorgt.

Rein ins Auto und kurz die beeindruckende Beschleunigung gewundert – dann Eco-Knopf gedrückt und das Triebwerk zu Gunsten eine längeren Reichweite gezähmt. Vom „B“-Modus, der beim Ausrollen deutlich mehr Rollenergie wieder in den Akku zurückschiebt, erzählte mir der Händler nichts. Aber ich hatte mich ja selbst informiert.

Auch sonst waren seine Informationen etwas zweifelhaft. So erklärte er mir, dass man mit dem Knopf den „Motor starten“ würde. Das war natürlich Unsinn, denn der Motor bewegt sich nur dann, wenn man das „Gas“-Pedal (wie heisst das bei Elektroautos eigentlich?) drücken würde. Er wollte mir, offenbar in Abwesenheit jeglicher eigenen Erfahrung auch erklären, dass ich den Leaf an einem Tesla Supercharger laden könne.

Ok, ich war offenbar selbst wesentlich besser informiert als der Händler.

Wir vereinbarten, dass ich den Leaf am Montag um 9 Uhr wieder abliefern sollte. Ich könne auch früher erscheinen und den Schlüssel in den Briefkasten werfen.

Alles klar! Es ging endlich los.

Etwas zaghaft bin ich dann auf der A93 Richtung Hof losgefahren und wollte mich vorsichtig an die erste Ladestation herantasten. Da die A93 fast keine nutzbare Ladeinfrastruktur anzubieten hat, würde ich entweder an einem Typ2-Lader (der ist eher langsam und einen 80%-Ladung würde 2-4 Stunden dauern) zwischenladen müssen oder hätte den nächsten CHAdeMo-Stopp in Selbitz erreichen müssen. Das sind von Regensburg über 200km und mit einem nicht mal voll geladenen Akku und ohne jede Fahrerfahrung mit einem Elektroauto erschien mir das als nicht realistisch. Da ich auch keine Lust auf stundenlanges warten an einer Typ2-Tankstelle hatte, war das Ziel Himmelkron an der A9. Das lag mit etwa 160km im Reich des möglichen, da ich recht bald feststellte, dass mein entspannter Fahrstil der Reichweite durchaus zuträglich war. Ich bin also ein Stück die A93 gefahren und dann quer über Landstraßen und reichlich verwinkelte Nebenstraßen Richtung Oberfranken gefahren.

Der Akku leerte sich zusehends aber ich sollte es schaffen und bin mit rund 12% Restkapazität auf den Parkplatz bei McDonalds gerollt. Laut Chargemap sollte sich dort eine Ladesäule verstecken.

„Verstecken“ ist übrigens die richtige Beschreibung. Ladesäulen werden grundsätzlich nicht ausgeschildert und sind als graue Säulen meist irgendwo hinter größeren Gebäuden im letzten Eck aufgebaut. Wenn man Glück hat (was aber eher selten der Fall ist), ist der Boden vor der Säule blau angemalt. Also darf man in den meisten Fällen ein paar Runden über den Autohof oder das Gewerbegebiet drehen, bis man die unscheinbare Box irgendwann findet.

Jetzt kam das nächste Problem: Die Ladestation hat keinerlei Bedienungsinformationen. Gut, den Stecker in den Ladeanschluss des Auto stecken, ist jetzt nicht so schwer. Aber wie startet man den Vorgang? Laut Chargemap sollte es per SMS möglich sein.

Nach einiger Zeit wurde mir klar, dass das wohl eine Fehlinformation war und die Säule nur mit vorheriger Registrierung und einer RFID-Karte Strom ausspucken würde.

Die Säule stand auf dem Parkplatz von McDonalds, also rein in den Laden und die hoffnungslos überforderten Mitarbeiter befragen. Der Schichtleiter war sichtlich interessiert und wusste ein wenig mehr als seine komplett ahnungslosen Minions. Er war sehr bemüht mir zu helfen, musste aber schließlich aufgeben, als die alte Karte aus dem Safe vom Automaten abgelehnt wurde.

Die einzige Information an der Säule war einen generische Hotline. Also Handy raus und angerufen.

Der Hotlinemitarbeiter am anderern Ende war mehr als nutzlos. Außer „sie brauchen eine Karte“ konnte er keine nutzbaren Informationen von sich geben. Auf die Frage, wo ich denn jetzt eine Karte bekommen könne, wusste er keine Antwort.

(Ich hatte 2 Tage vor der Probefahrt schon festgestellt, dass man offenbar zunehmend auf Karten zur Aktivierung umgestellt hatte, konnte aber in der Kürze der Zeit keine solche mehr auftreiben.)

Also stand ich nun in Himmelkron mit schätzungsweise 30 km Restreichweite und wusste nicht so recht weiter. Inzwischen war ich bestimmt schon eine halbe Stunde auf diesem Parkplatz. Im Normalfall wäre der Leaf jetzt eigentlich schon fast wieder voll und ich könnte weiterfahren.

In dem Augenblick fährt ein Renault Zoe auf den Parkplatz neben meinem Auto. Der Fahrer grüßt mich freundlich und scheint augenblicklich zu begreifen, was los ist. Wir unterhalten uns freundlich und er bietet an, dass ich auf seine Karte laden könne. Sein Zoe nutzt einen anderen Stecker (dazu später mehr) und er habe 2 Ladekarten, könne also 2 Ladevorgänge parallel aktivieren. Ich könne so lange laden, wie er selbst vor Ort wäre.

Ich strahlte ihn an und war ihm unendlich dankbar.

Nachdem beide Autos nun durstig Elektronen schlürften, unterhielten wir uns über Elektroautos. Dabei erfuhr ich dann auch, dass es eine App namens „Plugsurfing“ gäbe, die man wohl online registrieren könne (er hatte einen Ladechip der gleichen Firma, über die mein Leaf gerade geladen wurde).

Handy raus, AppStore geöffnet – und tatsächlich: Die App konnte man mit Kreditkarte und PayPal dazu bringen, ohne Karte oder Chip eine Ladesäule freizuschalten.

Warum steht das nicht an der Ladesäule?

Nach ziemlich genau 30 Minuten war der Leaf wieder bei 92% Akkuladung und der Stecker draußen. 10€ wechselten den Besitzer und die Fahrt konnte endlich weitergehen.

Die Plugsurfing-App gab mir Zuversicht, so dass ich jetzt tatsächlich testen wollte, ob ich es zu meinen Eltern schaffen würde. Also nächstes Ziel auf der Chargemap-App gesucht uns von Hand ins Navi eingetippt: Schkeuditz.

Laut Navi waren das 173km. Nach meiner bisherigen Erfahrung sollte das also machbar sein. Allerdings waren dort einige nicht zu unterschätzende Berge dazwischen, so dass ich mir Hermsdorf (108km) als Plan B zurechtlegte.

Die reichlich vorhandenen Lkw wurden meine besten Freunde. Recht schnell lernte ich die Unterschiede zwischen den verschiedenen Fahrzeugen und merkte auch, dass polnische Lkw meist ein paar km/h schneller waren, als die meisten deutschen Pendants. Tacho 100 (laut GPS etwa 90 km/h) waren problemlos drin und mit dieser Strategie war der Stopp in Hermsdorf nicht nötig und Schkeuditz problemlos zu schaffen. Also rauf auf den Rastplatz und die Ladesäule gesucht.

Anschließen, laden, Kaffee trinken – langsam bekam ich Routine.

Bis zu meinem Bruder in Wittenberge waren es jetzt noch 230km. Theoretisch wäre das ohne Zwischenstopp möglich. Theoretisch.

Ich wollte es probieren. Der Verbrauch von Himmelkron nach Schkeuditz war etwas zu hoch für diese Reichweite – aber es waren ja auch so einige Höhenunterschiede zu nehmen. Die Strecke jetzt war größtenteils potteben.

Also mit der gleichen Strategie (hinter polnische Lkw klemmen) weiter die A9 entlang.

Nach einigen Kilometern war klar, dass es wohl nicht reichen würde oder verdammt eng werden könnte. Da aber in der Nähe von Wittenberge wirklich keine Ladestation vorhanden war, hätte ich damit ziemlich hoch pokern müssen. Das war mir zu heiss.

Also in Möckern noch einen letzten Zwischenladestopp eingelegt. Wieder etwas Kaffee nachgefüllt und der Rest der Strecke war dann recht ereignisarm.

Abends kurz vor 20:30 war ich dann bei meinem Bruder. Das Auto erstmal an die Schukodose geklemmt und dann konnte die Grillparty beginnen.

Der Leaf hatte noch rund 10-15% Restkapazität (ich bin die letzten Kilometer nicht mehr im Ecomodus gefahren, als klar war, dass ich es locker schaffen würde).

Zum Mittag wollten wir dann bei meinen Eltern (20km weiter) sein und danach war der Rückweg geplant.

Am nächsten morgen war der Leaf voll und ich zuversichtlich, dass ich den Rückweg doch deutlich zügiger als in 10,5 Stunden schaffen sollte, die mich die Hinfahrt gekostet hatte.

Am Abend vorher hatte ich noch mit meinem Zwerg telefoniert, der seit einer Woche bei meinen Eltern Urlaub machte. Eigentlich wollten meine Eltern das kleine Hopsi am Montag zu mir bringen. Da ich aber nun schon vor Ort war, wollte der Zwerg mit mir mitfahren.

Gegen 14 Uhr ging’s los. Spätestens gegen Mitternacht sollte ich also zu Hause sein, war mein Plan.

Hach, Pläne!

Schkeuditz? Nah, das schaffe ich ja nicht. Also Magdeburg anpeilen. Chargemap zeigte mir das Autohaus Voets in Lila (fast charging) und als 24/7 mit einem kostenloser Ladegerät an. Prima, hin da!

In einem Anfall geistiger Umnachtung bin ich dann der Auschilderung und nicht dem Navi gefolgt, was zu einem Umweg von 20km führte. Na gut, ich hatte ja genügend Reserve eingeplant, so dass das Autohaus trotzdem kein Problem war. Aber eine halbe Stunde kostete mich der Umweg dann trotzdem.

Als ich gegen 16 Uhr dann am Autohaus ankam, die erste Überraschung: Das 50kW-Lader war ein anderer, inkompatibler Typ. Das hatte ich auf der Handyapp übersehen und da das Navi ja keine eigenen Ladeinformationen aktiviert hatte, führte es mich prompt zur falschen Station.

Kein Problem, gibt ja noch einen Typ2-Lader. Mit dem hole ich mir die Kilometer, um es zum nächsten Schnellader zu schaffen.

Mein Akku war durch den Umweg echt platt.

Dann der Schock: Der Typ2-Lader war deaktiviert. Es war Sonntag und damit war natürlich weit und breit keine Seele zu finden. Ich stand in einem Gewerbegebiet bei einem VW-Autohaus und hatte vielleicht noch 6km im Akku. Die nächsten Stationen waren allesamt deutlich weiter weg. Was nun.

Also bin ich durch die Gegend geirrt. Junior spielte Tablet, war zufrieden und beschäftigt, so dass ich das Gewerbegebiet nach einer Schukodose absuchte. Nach einer Viertelstunde war plötzlich der Seiteneingang vom VW-Autohaus offen. Ich bin also reinmarschiert und traf einen älteren Herrn, der offenbar als Wachmann agierte. Ich erklärte ihm meine Situation. Er schien hilfsbereit, hatte aber keine Telefonnummer für mich, um den Betreiber der Säule zu kontaktieren. Um wenigstens irgendwie weiter zu kommen, bat ich ihn, die am Eingang befindliche Schukodose nutzen zu dürfen. Auf die Weise wollte ich die 12km bis Hohenwarsleben schaffen. Dort sollte eine CHAdeMO-Dose auf mich warten und damit meine Rückfahrt gesichert sein.

Er stimmte zu und zog den Zigarettenautomaten aus der Steckdose, so dass ich den Leaf laden konnte.

2kWh krochen über die Leitung und der Leaf zeigte erst eine Stunde später zum ersten Mal wieder etwas Ladung an: 7%.

Um 17:30 ging’s dann los. Ich bedankte mich bei dem freundlichen Herrn, der mir eine gute Fahrt wünschte.

Ich kroch also Richtung Hohenwarsleben und musste feststellen, dass das Navi im Stand eine andere Entfernung anzeigt, als bei der Fahrt. Es waren tatsächlich 16km.

Also so sparsam wie möglich fahren. Die letzten Kilometer piepste der Leaf wieder und erklärte mir, dass der Akku jetzt wirklich ziemlich leer wäre.

Gegen 18 Uhr waren wir in Hohenwarsleben. Der Plan um Mitternacht zu Hause zu sein, war jetzt schon nicht mehr zu halten.

Vorbei an der Tankstelle und den 6 Tesla-Superchargern fuhr ich zu meiner Ladesäule. Einstecken, Plugsurfing-App raus, bestätigen, laden … mit Junior wollte ich jetzt fix Abendbrot essen und dann sollte es weiter nach Süden gehen. Aber trotz Bestätigung via App tut sich nichts. Die Säule war zwar freigeschaltet, wollte aber keinen Strom von sich geben. Also Stecker nochmal zurück in die Halterung und neu freigeben. Nichts!

Hotline anrufen. Der freundliche aber ähnlich hilflose Operator bestätigte mir zumindest, dass dort ein Fehler sichtbar wäre und bot an, die Säule neu zu starten, so dass ich es nochmal versuchen könnte. Dann legte er auf.

Die Säule bootete neu und nach 5 Minuten konnte ich das Spiel nochmal probieren. Wieder nichts!

Nochmal die Hotline.

Auch ein weiterer Neustart brachte keine Besserung und außer vielen Minuten hin und her gab es keine Besserung. Was ich denn nun tun solle, konnte mir der Operator nicht beantworten. Ein Techniker würde irgendwann in der kommenden Woche die Säule reparieren.

#*!§@&$!

Letzter Ausweg: Nissan Notruf

Am Telefon eine freundliche Dame. Ich erkläre ihr meine Situation. Sie verspricht sich darum zu kümmern und mich zurückzurufen.

Ich nehme meinen erstaunlichen geduldigen Zwerg in Schlepptau Richtung Restaurant und warte auf den Rückruf. Wir bestellen etwas zu essen. Mein Telefon klingelt: ein Abschleppunternehmen. Er soll mich zum nächsten Nissanautohaus bringen.

“Hmm, was soll ich da?” denke ich mir. “Der Leaf ist ja nicht kaputt sondern nur leer. Die blöde Ladestation ist kaputt!” denke ich weiter.

Ich frage ihn, ob wir den Zielort verhandeln können und er mich evtl. zu einer anderen Ladestation bringen könnte. Er zeigt sich hilfsbereit und kündigt an, in etwa einer halben Stunde vor Ort zu sein.

Das Essen kommt und bei mir klingelt es endlich: Typ2!

Ich renne zum Auto zurück und suche den Typ2-Adapter heraus, den ich bisher noch nicht benutzt habe. Es gibt 4 Stationen mit Typ2-Ladekabeln. Keine lässt sich das überreden, mit dem Adapter zusammen zu arbeiten. Schade!

Zurück ins Restaurant und das Abendbrot beenden.

Inzwischen ist es bald 19 Uhr und der Abschleppwagen kommt. Ich erkläre ihm, dass es in Möckern (lt. App knapp 30 km entfernt) einen CHAdeMO-Lader gibt, den ich gestern benutzt hätte und der mich retten sollte. Der Leaf wird verladen und wir fahren los. Es sind 40km und wird mit dem Lkw also eine Dreiviertel Stunde dauern. Die Nissanhotline ruft zurück und freut sich, dass es eine Lösung gibt.

Der Fahrer erklärt Junior unterwegs den Mittellandkanal, der parallel zur A2 verläuft, auf der wir fahren und zeigt ihm die Wildbrücke über die Autobahn. Junior ist begeistert und weiter gut gelaunt. Der Zwerg ist ein Segen!

Um 20:30 Uhr wird der Leaf in Möckern abgeladen. Ladekabel rein – die blaue Ladelampe blinkt endlich. Eine Unterschrift – die Versicherung zahlt den Transport sagt der Abschlepper.

Junior bekommt für seine Engelsgeduld ein Eis und spielt auf dem Spielplatz, während der Leaf aufgeladen wird.

21:30 Uhr. Aus irgendwelchen Gründen wurde der Ladevorgang bei 85% beendet. Egal. Es reicht bis Schkeuditz. Wir steigen ins Auto und fahren wieder aus eigener Kraft. Es sind noch über 400km bis Regensburg.

Da der Akku in Möckern nur bis 85% geladen wurde, muss ich etwas zurückhaltender fahren, um es sicher nach Schkeuditz zu schaffen. Gegen 23 Uhr sind wir da und der Leaf lädt wieder. Auch hier ist plötzlich bei 85% Schluss und mir dämmert langsam, warum: Die Temperaturanzeige des Akkus ist im roten Bereich. Ich starte den Ladevorgang erneut – ich brauche mehr als 85%, wenn ich es sicher nach Selbitz schaffen will. Der Leaf lädt weiter. Bei 95% soll Schluss sein – aber ich kann den Stecker nicht abziehen. Die Verriegelung ist deaktiviert – der der Stecker sitzt fest. Bei 100% löst er von allein – aber das dauert noch eine ganze Weile, weil der Akku über 95% nur noch im Schneckentempo lädt. Ich will aber nicht noch eine halbe Stunde verlieren. Als drücke ich den Notaus-Knopf an der Ladesäule. Der Stecker lässt sich abziehen und ich reaktiviere die Säule. Später stelle ich fest, dass ich nicht der einzige bin, der sich so befreien musste.

Inzwischen ist es Mitternacht und wir fahren Richtung Selbitz. Es geht lange Strecken bergauf und ich bin froh, den Akku auf 98% geladen zu haben. Mit ziemlich trockenem Akku kommen wir auf dem Autohof an und lade im Regen den Nissan. Junior schläft schon seit Stunden in meine Jacke gekuschelt.

Es ist 2 Uhr durch. Ich trinke den gefühlt 15. Kaffee des Tages. Auch hier muss ich den Ladevorgang mehrmals starten.

Von Selbitz ist es zu weit, um bis nach Hause zu kommen, also kommt noch ein Stopp in Lauf hinzu. Kurz vor 4 bin ich an der Ladestation an einem BMW Autohaus. Es wird langsam hell und Junior wacht auf. Wir reden und kuscheln während der Leaf lädt. Es sind 10 Grad draußen und ich muss die Heizung einschalten. Ich vergesse, dass das Navi im Stand weniger Kilometer anzeigt als es tatsächlich sind und trenne den Ladevorgang zu früh. Wir werden es nicht bis nach Regensburg schaffen und müssen am Rasthof Jura noch ein weiteres Mal laden. Es ist kostenlos und so lade ich zur Sicherheit lieber etwas mehr.

Gegen 6 Uhr kommen wir in Regensburg an. Junior geht direkt ins Bett und ist so müde, dass er sogar die Tür zu seinem Zimmer offen stehen lässt. Er schläft sofort. Ich lade das Auto aus, fahre zum Autohaus und hole meinen Up!. um 6:38 Uhr gehe ich ins Bett.

13:30 Uhr: Die Plugsurfing-App zeigt mir für die Ladevorgänge des Wochenendes insgesamt mehrere Tausend Euro an. Die Hotline versichert mir, dass das ein Fehler sein müsse und verspricht, sich darum zu kümmern.

Ich bin an diesem Wochenende bestimmt 10 Jahre älter geworden.

(Dieser Artikel ist zuerst auf meiner Facebookseite veröffentlicht worden.)

Nachtrag vom 13.06.2106: Inzwischen ist die Abrechnung von Plugsurfing eingetroffen. Sie weist etwas mehr als 2€ Gesamtrechnungssumme aus. Eine positive Überraschung.

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