Piraterie – die Contentindustrie ist selbst schuld!

An allen Ecken und Enden wird man mit drakonischen Strafen, endlosen Trailern, DRM und ähnlichen Späßen traktiert, damit auch ja klar wird, wie böse Piraterie ist.

Aber ist dem auch so?

Mal ganz abgesehen von Studien, die belegen, dass Piraterie sogar zu mehr Umsatz führt – darüber lässt sich streiten, gibt es ganz andere Argumente, die Piraterie erklären:

Komfort – Preis/Leistung – Verfügbarkeit

In allen 3 Kategorien gewinnt derzeit die Piraterie. In den meisten Fällen sogar deutlich.

Wenn ich mir einen Film/eine Serie/ein Spiel kaufen will oder ein Musikalbum haben möchte, gibt es ein Problem: es geht nicht so leicht. Erstmal muss ich zusehen, wo ich dies bekommen kann. Gut bei Amazon wird man häufig fündig, aber abgesehen davon, ist hier schon der 1. Showstopper: Es gibt kaum große Onlineshops. Ebay ist was für Masochisten und außer dem schon erwähnten Shop von Amazon ist mir nichts bekannt, was umfangreich genug wäre. Hat man nun gesuchtes Produkt gefunden, kann es weiter gehen: erstmal umfangreich registrieren, Zahlungsinformationen eingeben – und dann heißt es warten, auf die Post.

Verloren!

Wenn ich einen Film schauen will, dann möchte ich den jetzt, sofort und in der Minute haben. Ok, vielleicht lasse ich mich noch dazu hinreißen, ein paar Stunden auf den Download zu warten. Aber bis zum nächsten oder übernächsten Werktag? – Nein danke!

Mal den fiktiven Fall durchspielen, dass ich Sonntagnachmittag mit meiner besseren Hälfte im Auto durch die Gegend gondel und im Radio höre ich einen Song von Band X. Der gefällt uns ganz gut und wir möchten den gern haben, am besten das ganze Album. Zu Hause angekommen, kann ich mich dann bei iTunes einloggen und mindestens 10-15€ für das Album oder 1€ oder mehr für den einzelnen Song abdrücken. – Zuviel!
Ernsthaft. Warum soll ich den gleichen Preis, den ich im Laden für eine CD mit Booklet bezahle, zu Hause für einen Download abdrücken? Das macht keinen Sinn und widerstrebt jeglicher Logik. Downloads müssen VIEL billiger sein.

Wenn ein Song irgendwas um die 10, höchstens 20 Cent kostet, kaufe ich ein, massenhaft. Aber einen € für einen Song? Ein durchschnittlicher Titel läuft vielleicht 3 oder 4 Minuten. Wenn ich mir eine Stunde Musik anhören will, kostet mich das bei derzeitigen Preise so um die 15-20€. Da bleibt nicht mehr viel Genuss übrig sondern vor allem Trauer um das liebe Geld.

Sinnvollerweise sollte es hier so was wie eine Flatrate geben: 10 oder 15€/Monat und ich darf mir runterladen was und wann ich will. Aber dazu später mehr.

Bei Spielen ist es ganz verrückt. Nach wie vor gibt es viele Spiele nicht als Download. Vor ein paar Tagen haben wir damit geliebäugelt Siedler 7 zu kaufen, damit wir es zusammen spielen können. Es gibt eine kombinierte Mac/PC-Variante – hervorragend. Schnell noch ein paar Reviews lesen … DRM? Haben die nen Vogel? Ich muss selbst für ein Singleplayerspiel ständig mit dem Netz verbunden sein und wehe es gibt mal eine Unterbrechung. Ubisoft: FUCK YOU! Das Thema Siedler 7 war damit ad acta gelegt und wir spielen was anderes.
Ich kann ja verstehen, dass den Spieleherstellern das kopieren ein Dorn im Auge ist. Aber die Lösung ist doch der glatte Schuss ins eigene Knie. Statt etwas gegen die Ursache der Piraterie zu unternehmen, pinkeln die Hersteller lieber noch den verbliebenen Kunden vors Schienbein. Super! Das wird helfen! Als ob sie dadurch auch nur eine einzige Kopie mehr verkaufen würden. Wer nicht bezahlen will, kauft das Spiel weder mit noch ohne DRM sondern zieht sich allenfalls die gecrackte Variante aus dem Netz.

Und zum Schluss noch die Krönung der Blödheit: verzögerte Releases. Klar, vor 30 Jahren hat es vielleicht Sinn gemacht, das Video eines Films erst Monate nach dem Kinostart in die Läden zu bringen. Heutzutage ist das nur noch bescheuert. Wenn ich heute Tron Legacy sehen will und keine Zeit habe, am Montag um 20:00 ins Kino zu gehen (nur dann läuft im Cinemaxx die Originalversion), dann habe ich genau eine Option: illegal herunterladen.

Die Contenttrottel zwingen einen förmlich dazu, den illegalen Weg zu gehen.

Auch bei Serien ist es nicht viel besser. Bis man die mal im Laden zu Gesicht bekommt, ist schon die nächste Staffel halb vorüber. CBS macht es im Grunde ja richtig und stellt die Serien zeitnah ins Netz – aber dann schlägt wieder die Blödheit zu: nur zugreifbar, wenn man in den USA wohnt.

Jeder, der wirklich was gegen Piraterie unternehmen will, sollte sich zunächst fragen: Warum kopieren die Leute und kaufen nicht. Oft lautet die Antwort schlicht: weil sie gar nicht anders können! Den Leute mit Heerscharen von Anwälten die Bude einzurennen, löst das Problem nicht. Damit verdient ihr nicht mehr Geld sondern zementiert nur den status quo. Seht zu, dass ihr euren Content schnell, einfach und günstig anbietet, dann löst sich auch das Piraterieproblem weitesgehend.
Genial wäre ein Dienst, der für irgendwas zwischen 20 und 40€/Monat eine „Medienflatrate“ anbietet, die es mir erlaubt, herunterzuladen was immer mir gefällt: Filme, Musik, Spiele … dann könnten moderne Wegelagerer wie die GEM* (aus Sicherheitsgründen zensiert) auch eine sinnvolle Funktion übernehmen und das so eingenommene Geld vernünftig verteilen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s